Ach du Schreck: Ein Kompliment!

Schon Bertold Brecht sagte so richtig: „Packst du eine Arbeit an, dann packt sie dich an“ – was ja so viel bedeutet, dass das Universum einem entgegenkommt, wenn man sich oft und gern mit einem Thema beschäftigt. Diese Woche ist mir schon das – eigentlich für digitale Nomaden gedachte – schwüle Wetter entgegengekommen und hat mir schon einen Vorgeschmack von ca. malayischen 35 Grad gegeben. Ich schleppte mich also in sengender Hitze zum Bäcker.

Draußen vor der Geschäftstüre sah es allerliebst aus (zumindest die Utensilien, die noch nicht geschmolzen waren): Auf sorgfältig angerichteten Tischen standen wunderschöne Pflanzengestecke auf liebevoll drapierten Untersetzern. Keck dazu leuchteten gelbe Windräder im Sonnenblumen-Outfit und surrten im heißen Wüstenwind.

Ganz angetan von der Szenerie steuerte ich auf die Verkäuferin zu. „Was für eine hübsche  Tischdekoration!“ rief ich ihr fröhlich ins verkniffene Gesicht. Erschöpft und resigniert wischte sie einige Krümel beiseite. „Ich stehe hier schon den ganzen Morgen und es ist so viel los!“ Sie musterte mich herausfordernd und warf sich eine feuchte Haarsträhne aus dem Gesicht. „Ich komm einfach nicht dazu, verstehen Sie?“ Sie richtete sich weiter auf und stemmte eine Hand in die Hüfte.

„Wozu kommen Sie nicht?“, fragte ich perplex.

„Na, dort draußen mal abzuwischen! Sie sagten doch, es sieht wüst aus! Und ich schaffe einfach nicht…“

„Moment!“ Ich musste nun meine ganze Überredungskunst aufwenden und ihr vermitteln, dass ich sie loben wollte. Sehr langsam kam ein Lächeln in ihr Gesicht.

Kann es sein, dass wir schon zu sehr darauf programmiert sind, uns verteidigen zu müssen? Ist es wirklich so, dass wir mehr kritische Bemerkungen einstecken müssen als lobende, oder nehmen wir die letzteren nur nicht mehr wahr?

Wie ist es bei euch mit Komplimenten? Gebt ihr öfters selbst welche und könnt ihr diese auch gut annehmen?

Digital unterwegs…

Im letzten Beitrag erwähnte ich ja schon, dass ich nun dabei bin, mir Alternativen zum „normalen“ Büroleben zu erschließen.

Bei der Recherche über Conni Biesalskis Reiseblog kam ich zur „Blogger-Änderer-Digitale-Nomaden-Online-Konferenz.

Da ich ja bisher eher wie der Hobbit gelebt hat, welcher am liebsten in seiner Höhle sitzt, gemütlich Kaffee trinkt und allerhöchstens mal auf seiner neu gestrichenen Bank vor seinem Haus sitzt, bin ich natürlich jetzt ganz aufgeregt, was alles so Neues in mein Leben hineinschneien wird. Sicherlich werde ich nun nicht von heute auf morgen von der Sauna-Untensitzerin zur „Ich-reite-die-höchste-Welle-auf -Hawai-Queen“ werden. Aber die Lebenswege der digitalen Nomaden oder digitalen Settler sind so interessant und spannend, dass ich mir hier gern Anregungen, Tipps und Ratschläge abhole.

Wer auch interessiert ist: Bis zum 1.7. gibt es noch eine Onlinekonferenz zu diesen Themen. Die wirklich informativen und spannenden Vorträge sind jeweils 24 Stunden kostenlos im Netz verfügbar, danach kann man sich ein Konferenzpaket zum passablen Preis besorgen.

 

Pack es in die Kommentare :-)

Mittlerweile bin ich auf der Suche nach einem Broterwerb, der mir Zeit zum Schreiben lässt – aber auch etwas Geld abwirft: Also nach einer Art eierlegenden Wollmilchsau. Auf
dem Weg dahin bin ich mittlerweile auf eine ganze Reihe digitaler Nomaden gestossen und auf eine Art schon fasziniert. Andererseits sehe ich gerade noch nicht so richtig, wie das für mich funktionieren kann.

Trotzdem bin ich belustigt, wenn diese Art der lustigen Geldverdiener dann fröhlich im Pool plantschen (entweder wahlweise in Malaysia, Indonesien oder Vietnam – oder aber auch gerne in Ibiza, Mallorca oder Griechenland), abschließend mit ihrer Gummiente untertauchen und noch siegessicher in die  Youtube-Spiegelreflexcamera mit hochwertigem Micro (liefert Amazon das eigentlich auch so in entlegene Teile der Welt?) rufen: Ja, ich verdiene mein Geld praktisch passiv – alles passiert, während ich schlafe oder bade – und wenn noch was ist, pack es hier unten in die Kommentare🙂

Ja, es ist noch was: Genau das will ich auch!🙂IMG_0107.JPG

Der Sensenmann geht um…

All die Jahre hatte ich großes Glück, dass keine ganz furchtbar nahestehende Person sich für immer von dieser Welt verabschiedet hat. Ich war zwar oft traurig, wenn eine Todesmeldung einer prominenten – von mir sehr gemochten – Persönlichkeit herauskam – aber es war doch (noch) nicht von dieser Nähe gekennzeichnet. Jetzt sieht es so aus, als ob die Flut in der Form „Verlust geliebter Menschen“ immer näher rückt. Das Verrückte ist ja, dass ich schon wahrnehme, dass ich nicht mehr fröhliche 28 Jahre alt bin, aber mir scheint das alles eben noch nicht soooo lange her zu sein und das kindliche Denken, dass alles immer so bleiben könnte, ist auch noch nicht verschwunden.

Es begann vor einem halben Jahr mit meinem dynamischen Professor – ich dachte, er sieht noch Jahrzehnte aus wie 45 und so trainiert und sportlich wirkte er bis zum Schluss, als er mit 65 plötzlich umfiel und tot war. Immer sagte ich mir, dass ich ihn ja jederzeit besuchen kann, wenn ich wieder in meiner Heimatstadt bin. Gestern erhielt ich die Nachricht, dass eine sehr liebe Tante von mir ganz entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit diesmal nicht dem Tod von der Schippe gesprungen ist.

Mir fällt es dann immer sehr schwer zu begreifen, dass man diese nahestehenden Menschen nicht mehr anrufen oder besuchen kann. Wo sind sie hin? Das ist wohl so ein altes Phänomen.

Trotz aller Trauer plädiere ich für das Ende von tristen Trauerfeiern. Wir sollten es wie die Einwohner von New Orleans (ich muss gleich mal schauen, ob die dort wieder einigermaßen gut leben nach der Katastrophe) machen: Dixielandmusik auf dem Friedhof, keinesfalls schwarze Kleidung und es gibt nur fröhliche Anekdoten und Erinnerungen.

Sonderwünsche…

Ab und zu werde ich leider von meinem materiellen Ich (also der feinstofflichen Version respektive dem Körper) daran erinnert, dass er auch ein eigenes Wesen hat. Dies erfolgt meist dann, wenn ich eine Zeit zu sehr nur mit dem Kopf herumspaziert bin. Dann schreit er plötzlich herum und wirft mir ein krächzendes „Ich kann auch anders!“ hin. Er schmollt in solchen Fällen gewaltig und ist auch nicht mehr durch grüne Smoothies zu beruhigen, die ich ihm besänftigend hinhalte.

Seine kleinen Eifersüchteleien hat er gerade mit einer neuen Version untermalt und ich habe meinem kleinen Körper-Drachen gratuliert: Er hat sich etwas ausgesucht, was nicht jeder hat. Klar, es kann nicht exklusiv genug sein und oft ist es etwas, dass noch nicht einmal die Ärzte richtig kennen. So nenne ich nun eine ausgeprägte Histaminintoleranz mein Eigen und dank Internet habe ich mich nun auch kundig gemacht. Auf einen ganz kurzen Nenner gebracht: Alles muss ständig und überall super frisch sein – am besten sollte ich noch einen kleinen Kocher mit mir führen, der immer und überall einsatzbereit ist. Wurst vom Grill und mal eine schnelle Pizza oder ein Brötchen unterwegs? Nein, wir sind wählerisch, meint mein kleiner Feuerschweif. Brot darf kein Hefe haben und ich muss es eigenhändig in meiner rotkarierten Schürze unter Zugabe von Weinsteinbackpulver hergestellt haben. Der Gang zum Supermarkt wird nun zu einem Studium des Kleingedruckten, während King Körper hinter den Regalen heiser lacht.

Für den Fall der Fälle habe ich mich informiert, falls ich mal reisen möchte. Es gibt ja bei Lufthansa schon allerhand Varianten (sogar „koscheres“ Essen, Essen für Diabetiker, Essen für Glutenallergiker, Essen für Veganer etc.). Trotzdem muss ich wahrscheinlich  selbst hinten bei den Stewardessen den Kochlöffel schwingen „Bitte gehen Sie hier beiseite…“, während Rauchschwaden aus dem Flugkörper treten. Denn wenn ich bei der aufgeführten „Früchte“-Variante ausgerechnet Bananen und Zitrusfrüchte erhalte, ist Nulldiät angesagt. Ich weiß auch nicht. Warum kann ich nicht ankreuzen, welches Zipperlein ich haben möchte? Da hat mein Körper nicht geantwortet und schweigt sich aus.

Ich bin nicht allein…

mit meiner ausführlichen Denkarbeit und das stimmt mich sehr vergnüglich. Oft halte ich mich für die einzige, die so verpeilt und oft in Gedanken versunken ist. Als aber gestern eine junge Frau erst ihre Brötchentüte bezahlte und dann ohne ihren Einkauf beim Bäcker auf Nimmerwiedersehen verschwand (wir anderen Kunden rannten alle raus, um sie im Nachhinein zu identifizieren, aber sie ward schon nicht mehr gesehen) und schließlich in der Bibliothek eine Dame immer wilder ihre EC-Karte schwenkte und die Bücher sich vor dem Scanner doch nicht ausliehen ließen, war ich irgendwie beruhigt.

Das Wasser…

steht mir auch beruflich bis zum Hals und mein Schreibprojekt dümpelte verwachsen vor sich hin…

Es war ganz seltsam: Mit dem Psychologiestudium kam ich im Grunde ganz gut voran – aber mehrmals in der Nacht besuchte mich eine Art Männlein. Es war jedoch keine liebreizende Gestalt, sondern so ein kleiner Terrorzwerg mit Säbelzahntigereigenschaften. Es fuchtelte mit einem bedrohlich aussehenden Schwert vor mir herum und funkelte mich böse an. „Was bitte ist mit deinen Plänen? Wolltest du nicht schreiben? Wieso liegen alle deine Dinger…also die Projekte flach?“ Das Allerschlimmste war, dass das Männlein anschließend in Tränen ausbrach.

Lange Rede, kurzer Sinn: Der kleine Kampfzwerg und ich sind übereingekommen, dass ich wie Rotkäppchen vom Wege abgekommen bin. Ich muss einfach zurück. Erstmal wird sich das Schreiben wie eine rostige Tür anhören, die lange nicht geölt wurde. Alle Scharniere müssen erst wieder geschmeidig gemacht werden.

Tröstlich war auch die Tatsache, dass ich ein ganz tolles Vorhaben entdeckt habe, welches von dem studierenden Berliner Start-up-Unternehmer Michael Bohmeyer initiiert wurde: Es nennt sich Mein Grundeinkommen. Die sehr schöne und soziale Idee ist, dass jeder eine Art Grundeinkommen erhalten sollte, um schon lange gehegte Pläne zu verwirklichen. Auf der Seite kann man sich mittels eines Obolus bewerben (die Höhe der Spende steht jedem frei) und jeden Monat wird unter den Bewerbern ein bedingungsloses Grundeinkommen verlost. Auch wenn ich nun nicht zu den Gewinnern gehöre,  habe ich so ein beruhigtes, aber auch kribbeliges-aufgeregtes Gefühl und kann allen Mitarbeitern der Aktion nur tausendmal danken. Es macht auch Spaß zu lesen, wie die anderen sich freuen und der Gedanke: „Wie wäre es, wenn ich dieses Grundeinkommen wirklich zur Verfügung hätte?“ ist einfach nur motivierend.

 

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