Digital unterwegs…

Im letzten Beitrag erwähnte ich ja schon, dass ich nun dabei bin, mir Alternativen zum „normalen“ Büroleben zu erschließen.

Bei der Recherche über Conni Biesalskis Reiseblog kam ich zur „Blogger-Änderer-Digitale-Nomaden-Online-Konferenz.

Da ich ja bisher eher wie der Hobbit gelebt hat, welcher am liebsten in seiner Höhle sitzt, gemütlich Kaffee trinkt und allerhöchstens mal auf seiner neu gestrichenen Bank vor seinem Haus sitzt, bin ich natürlich jetzt ganz aufgeregt, was alles so Neues in mein Leben hineinschneien wird. Sicherlich werde ich nun nicht von heute auf morgen von der Sauna-Untensitzerin zur „Ich-reite-die-höchste-Welle-auf -Hawai-Queen“ werden. Aber die Lebenswege der digitalen Nomaden oder digitalen Settler sind so interessant und spannend, dass ich mir hier gern Anregungen, Tipps und Ratschläge abhole.

Wer auch interessiert ist: Bis zum 1.7. gibt es noch eine Onlinekonferenz zu diesen Themen. Die wirklich informativen und spannenden Vorträge sind jeweils 24 Stunden kostenlos im Netz verfügbar, danach kann man sich ein Konferenzpaket zum passablen Preis besorgen.

 

Pack es in die Kommentare :-)

Mittlerweile bin ich auf der Suche nach einem Broterwerb, der mir Zeit zum Schreiben lässt – aber auch etwas Geld abwirft: Also nach einer Art eierlegenden Wollmilchsau. Auf
dem Weg dahin bin ich mittlerweile auf eine ganze Reihe digitaler Nomaden gestossen und auf eine Art schon fasziniert. Andererseits sehe ich gerade noch nicht so richtig, wie das für mich funktionieren kann.

Trotzdem bin ich belustigt, wenn diese Art der lustigen Geldverdiener dann fröhlich im Pool plantschen (entweder wahlweise in Malaysia, Indonesien oder Vietnam – oder aber auch gerne in Ibiza, Mallorca oder Griechenland), abschließend mit ihrer Gummiente untertauchen und noch siegessicher in die  Youtube-Spiegelreflexcamera mit hochwertigem Micro (liefert Amazon das eigentlich auch so in entlegene Teile der Welt?) rufen: Ja, ich verdiene mein Geld praktisch passiv – alles passiert, während ich schlafe oder bade – und wenn noch was ist, pack es hier unten in die Kommentare:-)

Ja, es ist noch was: Genau das will ich auch!:-)IMG_0107.JPG

Der Sensenmann geht um…

All die Jahre hatte ich großes Glück, dass keine ganz furchtbar nahestehende Person sich für immer von dieser Welt verabschiedet hat. Ich war zwar oft traurig, wenn eine Todesmeldung einer prominenten – von mir sehr gemochten – Persönlichkeit herauskam – aber es war doch (noch) nicht von dieser Nähe gekennzeichnet. Jetzt sieht es so aus, als ob die Flut in der Form „Verlust geliebter Menschen“ immer näher rückt. Das Verrückte ist ja, dass ich schon wahrnehme, dass ich nicht mehr fröhliche 28 Jahre alt bin, aber mir scheint das alles eben noch nicht soooo lange her zu sein und das kindliche Denken, dass alles immer so bleiben könnte, ist auch noch nicht verschwunden.

Es begann vor einem halben Jahr mit meinem dynamischen Professor – ich dachte, er sieht noch Jahrzehnte aus wie 45 und so trainiert und sportlich wirkte er bis zum Schluss, als er mit 65 plötzlich umfiel und tot war. Immer sagte ich mir, dass ich ihn ja jederzeit besuchen kann, wenn ich wieder in meiner Heimatstadt bin. Gestern erhielt ich die Nachricht, dass eine sehr liebe Tante von mir ganz entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit diesmal nicht dem Tod von der Schippe gesprungen ist.

Mir fällt es dann immer sehr schwer zu begreifen, dass man diese nahestehenden Menschen nicht mehr anrufen oder besuchen kann. Wo sind sie hin? Das ist wohl so ein altes Phänomen.

Trotz aller Trauer plädiere ich für das Ende von tristen Trauerfeiern. Wir sollten es wie die Einwohner von New Orleans (ich muss gleich mal schauen, ob die dort wieder einigermaßen gut leben nach der Katastrophe) machen: Dixielandmusik auf dem Friedhof, keinesfalls schwarze Kleidung und es gibt nur fröhliche Anekdoten und Erinnerungen.

Sonderwünsche…

Ab und zu werde ich leider von meinem materiellen Ich (also der feinstofflichen Version respektive dem Körper) daran erinnert, dass er auch ein eigenes Wesen hat. Dies erfolgt meist dann, wenn ich eine Zeit zu sehr nur mit dem Kopf herumspaziert bin. Dann schreit er plötzlich herum und wirft mir ein krächzendes „Ich kann auch anders!“ hin. Er schmollt in solchen Fällen gewaltig und ist auch nicht mehr durch grüne Smoothies zu beruhigen, die ich ihm besänftigend hinhalte.

Seine kleinen Eifersüchteleien hat er gerade mit einer neuen Version untermalt und ich habe meinem kleinen Körper-Drachen gratuliert: Er hat sich etwas ausgesucht, was nicht jeder hat. Klar, es kann nicht exklusiv genug sein und oft ist es etwas, dass noch nicht einmal die Ärzte richtig kennen. So nenne ich nun eine ausgeprägte Histaminintoleranz mein Eigen und dank Internet habe ich mich nun auch kundig gemacht. Auf einen ganz kurzen Nenner gebracht: Alles muss ständig und überall super frisch sein – am besten sollte ich noch einen kleinen Kocher mit mir führen, der immer und überall einsatzbereit ist. Wurst vom Grill und mal eine schnelle Pizza oder ein Brötchen unterwegs? Nein, wir sind wählerisch, meint mein kleiner Feuerschweif. Brot darf kein Hefe haben und ich muss es eigenhändig in meiner rotkarierten Schürze unter Zugabe von Weinsteinbackpulver hergestellt haben. Der Gang zum Supermarkt wird nun zu einem Studium des Kleingedruckten, während King Körper hinter den Regalen heiser lacht.

Für den Fall der Fälle habe ich mich informiert, falls ich mal reisen möchte. Es gibt ja bei Lufthansa schon allerhand Varianten (sogar „koscheres“ Essen, Essen für Diabetiker, Essen für Glutenallergiker, Essen für Veganer etc.). Trotzdem muss ich wahrscheinlich  selbst hinten bei den Stewardessen den Kochlöffel schwingen „Bitte gehen Sie hier beiseite…“, während Rauchschwaden aus dem Flugkörper treten. Denn wenn ich bei der aufgeführten „Früchte“-Variante ausgerechnet Bananen und Zitrusfrüchte erhalte, ist Nulldiät angesagt. Ich weiß auch nicht. Warum kann ich nicht ankreuzen, welches Zipperlein ich haben möchte? Da hat mein Körper nicht geantwortet und schweigt sich aus.

Ich bin nicht allein…

mit meiner ausführlichen Denkarbeit und das stimmt mich sehr vergnüglich. Oft halte ich mich für die einzige, die so verpeilt und oft in Gedanken versunken ist. Als aber gestern eine junge Frau erst ihre Brötchentüte bezahlte und dann ohne ihren Einkauf beim Bäcker auf Nimmerwiedersehen verschwand (wir anderen Kunden rannten alle raus, um sie im Nachhinein zu identifizieren, aber sie ward schon nicht mehr gesehen) und schließlich in der Bibliothek eine Dame immer wilder ihre EC-Karte schwenkte und die Bücher sich vor dem Scanner doch nicht ausliehen ließen, war ich irgendwie beruhigt.

Das Wasser…

steht mir auch beruflich bis zum Hals und mein Schreibprojekt dümpelte verwachsen vor sich hin…

Es war ganz seltsam: Mit dem Psychologiestudium kam ich im Grunde ganz gut voran – aber mehrmals in der Nacht besuchte mich eine Art Männlein. Es war jedoch keine liebreizende Gestalt, sondern so ein kleiner Terrorzwerg mit Säbelzahntigereigenschaften. Es fuchtelte mit einem bedrohlich aussehenden Schwert vor mir herum und funkelte mich böse an. „Was bitte ist mit deinen Plänen? Wolltest du nicht schreiben? Wieso liegen alle deine Dinger…also die Projekte flach?“ Das Allerschlimmste war, dass das Männlein anschließend in Tränen ausbrach.

Lange Rede, kurzer Sinn: Der kleine Kampfzwerg und ich sind übereingekommen, dass ich wie Rotkäppchen vom Wege abgekommen bin. Ich muss einfach zurück. Erstmal wird sich das Schreiben wie eine rostige Tür anhören, die lange nicht geölt wurde. Alle Scharniere müssen erst wieder geschmeidig gemacht werden.

Tröstlich war auch die Tatsache, dass ich ein ganz tolles Vorhaben entdeckt habe, welches von dem studierenden Berliner Start-up-Unternehmer Michael Bohmeyer initiiert wurde: Es nennt sich Mein Grundeinkommen. Die sehr schöne und soziale Idee ist, dass jeder eine Art Grundeinkommen erhalten sollte, um schon lange gehegte Pläne zu verwirklichen. Auf der Seite kann man sich mittels eines Obolus bewerben (die Höhe der Spende steht jedem frei) und jeden Monat wird unter den Bewerbern ein bedingungsloses Grundeinkommen verlost. Auch wenn ich nun nicht zu den Gewinnern gehöre,  habe ich so ein beruhigtes, aber auch kribbeliges-aufgeregtes Gefühl und kann allen Mitarbeitern der Aktion nur tausendmal danken. Es macht auch Spaß zu lesen, wie die anderen sich freuen und der Gedanke: „Wie wäre es, wenn ich dieses Grundeinkommen wirklich zur Verfügung hätte?“ ist einfach nur motivierend.

 

Schreibaufgabe 6 – angeregt von der zauberhaften Hanna Mandrello siehe vorheriger Blogeintrag: Hui, das war schwer….

Eigentlich schleiche ich mit den gewisperten Worten „Ich bin spät dran…“ oft an die Bibliothekstheke und lege dann schüchtern meine Bücher auf das Pult.

Also ich hoffe, ich habe es jetzt nicht zu verwirrend gestaltet😉 Ja, kurz ging auch gar nicht…

Die Nacht der Nächte 

Vorsichtig lugte ich durch den baufälligen Zaun, schob die Plastik-Efeuranken beiseite und warf einen Blick auf das herrschaftliche Nachbargrundstück. Ja, da stand dieses Schwein: Detlef Dorn und seine Schlampe Priscilla. Die Frau, die früher einmal meine Frau war. Bis sie sich in Detlefs Geld und das Nichtstun verliebte, ihre Arbeit als Lehrerin aufgab und nun nur noch mit High Heels, aufgespritzten Lippen und blonden Extensions herumstöckelte. Wie in einem schlechten Groschenroman! Priscilla! Dieser alberne neue Name, den sie sich nun zugelegt hatte! Einfach lächerlich – in Wirklichkeit hieß sie Sabine. Ich hörte mich heiser auflachen. Die Geräusche, die aus mir kamen, klangen brüchig und ich merkte, wie meine Augenwinkel feucht wurden. Wütend wischte ich in meinem Gesicht herum.

Die beiden würden dafür büßen! Heute Abend bei der großen Gartenparty dieses feinen Herrn würde das Ding unwiderruflich steigen. Ich fühlte mein Herz bis zum Hals schlagen. Es gab kein Zurück, aber ich durfte heute keine Emotionen hochkommen lassen. Ich versuchte, nicht an diesen Detlef Dorn zu denken, schon sein Name verursachte ein heißes Brennen in meinen Wangen, dann breitete sich ein Schmerz im ganzen Körper aus. Alle Bäume in der kleinen Straße liess er abholzen, nur damit sein Prachtbau besser zu sehen war.

Sechs lange Jahre lang habe ich, von Beruf Biochemiker, an der neuen Züchtung „Zucchini mortale“ gearbeitet. Immer wieder mussten Samen gesammelt und neu ausgesät werden, damit der tödliche Stoff Cucurbitacin in die grüne Frucht gelangte. Was habe ich die Pflanzen gehegt und gepflegt, sogar extra Spezialerde angekarrt und ein kleines Gewächshaus gebaut. Es hat so viel gekostet, dass ich schon wieder Urlaub in der Toskana mit unserer vierzehnjährigen Tochter Belinda verzichtet habe. Aber wenn man das Zeug nicht immer im Auge hatte, ging vielleicht noch etwas schief – nein, ich durfte keinen Schritt tun, ohne das Wachstum zu überwachen, die Pflanzen immer auf Schädlinge abzusuchen und regelmäßig zu gießen.

Sobald alles abgeschlossen ist, muss ich mich dringend mehr um sie kümmern, dachte ich bei mir. Sie spielt immer nur in meinem Labor herum und interessiert sich nur noch für Reagenzgläser und ihre Insekten, welche sie immer aufspiesst. Ich seufzte. Das Mädchen muss mehr raus!

Aber heute hatte ich keine Nerven für das Kind, denn es gab nur ein Problem: Wie konnte ich den Bitterstoff aus dem Gemüse herausfiltern? Ich hatte mich gut informiert: Wenn einem Menschen etwas zu unbekömmlich erscheint, nimmt er es nicht zu sich. Also musste noch eine Substanz her. Ein Wässerchen für die beiden, welches die Geschmacksnerven kurzzeitig lahmlegt und eine Dysgeusie über das zentrale Nervensystem hervorruft. Aber wie sollte ich das den beiden verkaufen? Auch darüber hatte ich fast zwei Jahre gegrübelt und schließlich in mühevoller Kleinarbeit einen Großteil meiner Nächte damit zugebracht, die chemischen Essenzen so zusammenzumischen, dass der Effekt der Geschmacksstörung ungefähr drei Stunden anhielt.

Ich bürstete mein inzwischen spärlich gewordenes Haar und zog meinen taubenblauen Sommeranzug an; er war eigens für den heutigen Tag aus der Reinigung geholt worden. Seit Priscilla mich verlassen hatte, hatte ich ihn nicht mehr getragen. Schließlich wollte ich gut aussehen, wenn die beiden heute die letzte Ölung erhielten. Allerdings musste alles klappen. Ein paar Mal übte ich das leutseligste Lächeln, zu dem ich imstande war. Verbissen klemmte ich mir einen Bleistift zwischen die Lippen, um meine in den letzten Jahren stark nach unten gesunkenen Mundwinkel nach oben zu ziehen.

Als ich halbwegs zufrieden mit dem Ergebnis war, nahm ich die Schüssel mit dem Zucchiniauflauf und machte mich auf den Weg zum Nachbargrundstück. Leider konnte ich nicht kosten, ich hatte aber jede Menge einer sehr süßen Salatsauce benutzt, um den bitteren Geschmack im Zaum zu halten. Niemand würde darauf kommen, dass ein Gemüse die Todesursache war – diese Kürbissorte war einfach zu harmlos.

„Priscilla, meine Liebe… Wie toll du wieder aussiehst!“ Ich gab ihr ein angedeutetes Küsschen auf jede Wange. Sie trug ein viel zu blumiges Parfüm und ich gab mir Mühe, nicht zu niesen.

Mein Plan musste nach den ausgetüftelten Etappen weitergehen.

Ich gab Detlef die Hand, wobei mich ein leichter Schwindel ergriff. Dann zog ich Priscilla beiseite. Für ein Kompliment war sie immer zu haben.

„Liebes…“, begann ich, riss meine Augen auf und versuchte einen Dackelblick – wie ich es oft in den Rosamunde Pilcher Filmen gesehen hatte.

„Ja, Hubert? Was ist denn?“ Kokett zwirbelte Priscilla-Sabine eine Haarsträhne. Hoffentlich fallen die Haarverlängerungen nicht raus, dachte ich grimmig. Jeden Tag erschien ein neues Selfie von ihr auf Facebook: Priscilla kokett posierend im Nachthemd, Priscilla sich am großen Pool räkelnd (natürlich im knappen Bikini), Priscilla zum hundertsten Mal beim Friseur…. Was war nur aus dieser Frau, einer ehemals engagierten Grundschullehrerin geworden? Ich musste aufpassen, dass ich nicht angewidert das Gesicht verzog.

„Lass uns kurz an einem ungestörten Ort reden, Priscilla.“ Ich hatte Mühe, ihren neuen Namen ohne eine Spur Sarkasmus auszusprechen.

„Gehen wir zu unserer neuen Sitzgruppe.“ Sie zog mich über den akkuraten Rasen und hängte sich an meinen Arm. Wie früher, kam mir wehmütig in den Sinn. Schnell hob ich die andere Hand, in der ich sorgfältig meinen Auflauf hielt. Beinahe wäre er mir entglitten.

„Du weißt, ich habe so lange gebraucht, um über dich hinwegzukommen…“, begann ich schließlich, als wir Platz genommen hatten und ich mich vergewissert hatte, dass mein Mitbringsel einen guten Platz auf dem großen Glastisch einnahm. Meine ehemalige Frau lächelte geschmeichelt und senkte dann die Augenlider mit den künstlichen Wimpern.

„Aber ich möchte dir nicht länger im Wege stehen. Ich möchte euch ein verspätetes Hochzeitsgeschenk übergeben.“

„Wirklich, Hubert? Das ist so lieb von dir. Ich hoffe, du findest auch bald eine Neue. Meinst du den Auflauf? Vielen Dank, aber – ich mach mir nun mal nichts aus Zucchini, du weißt …“

„Nun, ich habe es hier.“ Ich zog ein kleines Laborfläschchen mit einer milchartigen Flüssigkeit aus der Innentasche meines Anzuges. Priscilla hob fragend die Augenbrauen.

„Du darfst es niemanden sagen, hörst du?“ Ich lehnte mich in die weichen, samtbezogene Kissen zurück. Sie rückte neugierig an mich heran und hing an meinen Lippen.

„Ich habe lange daran gearbeitet. Es ist ein Elixier, welches Falten verhindert. Das Hautgewebe altert nicht mehr. Du bleibst immer jung. Also nimm es, dann hast du ein jugendliches, heiteres Leben. Wenn du mit über 75 Jahren sterben wirst, dann siehst du immer noch aus wie 35. Wenn ihr es teilt, dann hat jeder noch 20 jugendliche Jahre, das ist doch auch toll.“

„Ja, aber…“, meinte sie und sah mich lange an. „Warum verkaufst du es dann nicht? Dann können wir es alle ganz leicht bestellen, soviel wir wollen! Und du wärest doch ein reicher Mann! Wir alle wollen doch jünger aussehen, das wäre doch absolut toll, also Hubert, wirklich…“ Sie hatte sich jetzt aufgesetzt, rote Flecken erschienen in ihrem Gesicht. Auf ihrer Stirn erschien eine senkrechte Falte, wie immer, wenn sie intensiv nachdachte.

Ich versuchte mich an meinem geheimnisvollsten Lächeln. „Es ist sehr schwer herstellbar. Die Substanz gibt es derzeit nur in sehr kleinen Mengen. Außerdem gibt es den Effekt nur in einem bisher noch nicht erforschten, merkwürdigen Zusammenhang: Der Extrakt wirkt nur, wenn man innerhalb von zwei Stunden danach noch den Zucchini-Auflauf isst. Das Natrium wirkt zusammen mit dem Jugendhormon DHEA der Substanz… aber ich möchte dich nicht mit meinen Fachbegriffen langweilen. Du bist die Mutter unseres Kindes, du sollst ein langes, zufriedenes Leben haben.“

„Oh, ja, Belinda! Ich habe sie lange nicht mehr gesehen, ich bin ja so beschäftigt und auch das Einkaufen strengt an… Wie geht es ihr überhaupt? Aber für unser Kind würde ich alles tun!“

„Hoho, der alte Haudegen Hubert!“ Detlef Dorns Gestalt erschien hinter dem Baldachin der opulenten Muschelsitzgruppe. „Wenn du nicht so ein vertrockneter Wissenschaftler wärst, würde ich denken, du willst uns auf den Arm nehmen!“

„Detlef, du hast gelauscht?“ Widerwillig drehte sich Priscilla zu ihm um. Ein finsterer Ausdruck lag in ihrem Gesicht.

„Aber Schatzi, wir beide…“, er küsste sie auf die Stirn und fuhr sich dann durch das gegelte Haar, „sollten keine Geheimnisse voreinander haben.“

„Ja, also ich muss dann auch los… Fläschchen und Auflauf sind hier, also macht was ihr denkt, eine wunderbare Party ist das!“ Ich wandte mich ab und begab mich in das turbulente Treiben, welches aus Tanz, Gesang und Feuerwerk bestand.

Eine halbe Stunde später drangen laute, erregte Stimmen aus dem Erdgeschoss der mit Scheinwerfern angestrahlten Villa. Kurz darauf ein lauter Knall. Ein Pistolenschuss?! Oder was war das? Die Hausangestellten eilten zusammen mit einigen Gästen die Kieseinfahrt hoch und ich entschloss mich ebenfalls, mir die Sache genau anzusehen, obwohl ich mich nun eigentlich verabschieden sollte. Keinesfalls durfte es einen Zweifel geben, dass ich rein gar nichts mit dem Tod der beiden zu tun hatte. Die Neugierde überwog und ich schloss mich den aufgeregten Menschen an. Im Schlafzimmer des Paares bot sich schließlich ein grausiges Bild: Detlef Dorn lag starr und bewegungslos in einer Blutlache, ein ungläubiger Ausdruck schien in seinem Gesicht festgemeißelt. Priscilla lag einige Meter neben ihm, der Körper lag vorn übergesunken in einem Sessel, die Gliedmaßen hingen schlaff herab wie bei einer Stoffpuppe. In der einen Hand hielt sie einen Revolver. Hier schien alles aus dem Ruder gelaufen zu sein! Aber auch gut. Ich lächelte zufrieden.

Mein Blick glitt zum Fenster, eine schmale, kleine Gestalt huschte durch den Garten. Belinda! Sie sollte ihre Mutter nicht so sehen, ich musste nach ihr schauen!

Als ich die Weg zum Garten überqueren wollte, hievte sich ein Auto die Zufahrt hoch und hielt direkt vor mir. Die Reifen quietschten. Ein korpulenter Mittfünfziger quälte sich aus dem Fonds, zeigte mir seinen Ausweis und bat mich, ihm behilflich zu sein und Fragen zu beantworten.

Stunden später, als auch die Kollegen von der Spurensicherung wieder abgefahren waren, ließ sich Kommissar Winterbach in einen der Ohrensessel fallen.

„Na ja, die Sache ist irgendwie ziemlich klar. Viel brauchen wir da nicht mehr überlegen. Diese beiden Verrückten…“, er machte eine unbestimmte Geste über das ganze Zimmer. „Haben sich selbst umgebracht. Offensichtlich haben sie sich sogar um das Todeselixier gestritten. Sie hat ihn im Zuge des Streits erschossen und dann das Gift ganz alleine ausgetrunken.“ Er seufzte. „Aber versteh einer diese Reichen. Ich nicht, aber wir können den Fall schnell abschließen.“ Er drehte eine kleine Flasche in seinen Händen. „Das haben die noch vergessen…“ Er liess ein Reagenzglas in eine kleine Plastiktüte gleiten. Ich fühlte, wie eine unsagbare Kälte meinen Körper ergriff. Belinda? Aber da sollte doch… Hatte sie etwa die Fläschchen vertauscht? Oder was war das…?“

„Sie sind auf einmal so blass, aber ein Biochemiker sollte das doch gewohnt sein. Ich habe so Hunger jetzt! Vielleicht sollten Sie sich auch was nehmen, nix für ungut, aber Sie sehen wirklich nicht topfit aus! Jammerschade, ich werde nie zu solchen Festivitäten eingeladen!“ Er griff sich die Schale mit dem Auflauf und stopfte sich einen großen Löffel in den Mund.

Vorherige ältere Einträge

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 35 Followern an